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Chronisch krank zu sein bedeutet, dass der Körper nicht so funktioniert, wie der Betroffene es eigentlich möchte. Gerade Kinder mit Asthma bronchiale erleben diese immer wiederkehrende Erfahrung als unausweichlichen Kontrollverlust, der sich auch auf andere Bereiche ihres Lebens ausweitet. Mutlosigkeit, Zweifel und das Gefühl, anders zu sein als andere Kinder, stellen eine enorme psychische Belastung dar. Das Fachklinikum Borkum hat für die Behandlung von Kindern mit Asthma ein kindgerechtes Therapiekonzept zusammengestellt.
Besonders wichtig ist, dass sich die Kinder während der Behandlung ihres Asthmas wohl fühlen und diese nicht nur als lästige medizinische Notwendigkeit empfinden. Glücklicherweise laufen gerade bei Atemwegserkrankungen viele Behandlungsmaßnahmen von ganz alleine ab.
Denn das allergen- und schadstoffarme Hochseereizklima der Nordseeinsel Borkum bietet eine natürliche Basis für eine erfolgreiche und zielorientierte Asthmabehandlung: Die salzhaltige Luft lässt die Bronchien abschwellen und beseitigt den Schleim.
Allerdings reicht der Aufenthalt in der Reizklimazone alleine nicht aus. Eine individuell auf den Patienten ausgerichtete Diagnostik und medikamentöse Therapie ist der Grundstein einer jeden Asthmatherapie. In der medikamentösen Behandlung wird zwischen der Dauer-(Basis-) und der Bedarfstherapie unterschieden. Die in der Dauertherapie verwendeten Medikamente, als "Controller" (engl. "control" = kontrollieren) bezeichnet, unterdrücken die chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut und setzen deren Reizschwelle herab. Bei regelmäßiger Inhalation bzw. Einnahme der verordneten Medikamente resultiert daher eine deutliche Abnahme der Häufigkeit und der Schwere der Asthmasymptomatik bis hin zur Beschwerdefreiheit. Sollten trotz regelmäßiger Basistherapie Atemnotzustände auftreten, kommen die Medikamente der Bedarfstherapie zur Anwendung. Diese "Reliever" (engl. "relieve" = lindern) genannten Medikamente führen zu einer Erweiterung der im Asthmaanfall verengten Bronchien (= Obstruktion) und damit zu einer Linderung der akuten Atemnot. Im Gegensatz zu den "Controllern" beeinflussen sie aber nicht den langfristigen Krankheitsverlauf.
Die Behandlung des einzelnen Asthmatikers wird zwar jeweils individuell zusammengestellt, sollte sich aber möglichst an den derzeit gültigen Stufenplänen zur Therapie des Asthma bronchiale, zum Beispiel der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie, orientieren. Vom Schweregrad der Asthmaerkrankung ist die Anzahl der Medikamente, ihre Dosie-rung, die Häufigkeit und Art der Anwendung abhängig. Ist der Patient unter regelmäßiger Therapie über einen Zeitraum von mehreren Monaten beschwerdefrei, können die Medikamente nach Absprache mit dem betreuenden Arzt gegebenenfalls reduziert oder auch abgesetzt werden.
Denn die Devise heißt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Dr. med. Herbert Jansen