| |
Das Meerwasserschwimmbad steht außerhalb der Therapiezeiten zur freien Verfügung. |
Die Therapiemöglichkeiten
Die Neurodermitis ist eine Erkrankung, die von vielen Faktoren geprägt wird. Individuelle Krankheitsverläufe erfordern daher auch unterschiedliche Behandlungsansätze. Wichtigstes Ziel der medikamentösen Therapie ist es, die bestehenden Ekzemherde möglichst schnell bis zur Erscheinungsfreiheit zu behandeln. In der Folge muss versucht werden, auslösende Provokationsfaktoren zu erkennen und zu vermeiden. Nur dann kann ein lang anhaltender Therapieerfolg erreicht werden. Noch längst sind nicht alle auslösenden, unterhaltenden und verändernden Faktoren und Zusammenhänge bei der atopischen Dermatitis bekannt. Trotzdem ist es schon heute möglich, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern gezielt in den Krankheitsverlauf der Neurodermitis einzugreifen.
Die äußerliche Therapie
Hautpflege: Um den Hautzustand des Neurodermitikers auch langfristig zu verbessern, benötigt die chronisch kranke Haut effektive pflegende Maßnahmen. Bei der Reinigung sollten möglichst nur Wasser und milde Syndets verwendet werden. Dusch- oder Schaumbäder mit aggressiven Substanzen haben einen entfettenden und austrocknenden Effekt. Duschen belastet die Haut grundsätzlich weniger als Baden. Wer auf ein Bad nicht verzichten möchte, sollte auf medizinische Ölbäder zurückgreifen. Unabhängig davon ist in jedem Fall eine regelmäßige rückfettende Pflege der Haut, nicht nur nach der Reinigung, erforderlich. Um einen geeigneten Fett- und Feuchtigkeitsgehalt der Haut zu erhalten, sollte der Einsatz von Pflegeprodukten mit unterschiedlichem Fettgehalt dem jeweiligen Hautzustand entsprechend angepasst werden.
Harnstoff: Diese natürliche Substanz entsteht im Körper durch den Abbau von Eiweißen und wird über den Harn ausgeschieden. In geringen Mengen wird Harnstoff aber auch durch den Proteinabbau in der Haut gebildet. Harnstoff hat die Fähigkeit, Wasser zu binden und verhindert so ein übermäßiges Austrocknen der Haut. In neurodermitischer Haut ist der Harnstoffgehalt deutlich reduziert. Feuchtigkeit wird nicht mehr in ausreichendem Maß gebunden – die Haut wird trocken. Harnstoffexterna mit einem Wirkstoffgehalt ab 10 Prozent erhöhen nicht nur den Wassergehalt der Hornschicht der Haut, sondern entfalten auch eine juckreizstillende Wirkung. Harnstoff wird häufig auch mit anderen Wirkstoffen wie zum Beispiel Cortison kombiniert, da Harnstoff das Eindringen dieser Wirkstoffe in tiefere Hautschichten erleichtert.
Cortison: Corticoide spielen auch heute noch bei der Behandlung der Neurodermitis eine wesentliche Rolle. Sie haben eine ausgeprägte entzündungshemmende Wirkung und sind daher vor allem zur raschen Unterdrückung des akuten Ekzemschubes geeignet. In der richtigen Konzentration und Grundlage eingesetzt, erzielen sie eine sehr positive Wirkung und kürzen die Leidenszeit des Patienten stark ab. Moderne Cortisonpräparate zeigen bei richtiger Anwendung keine Nebenwirkungen mehr. Bewährt haben sich vor allem die Kombinationstherapie oder die Intervalltherapie von corticoidhaltigen und corticoidfreien Therapeutika.
Antibiotika: Eine äußerliche Behandlung mit Antibiotika ist nur bei einer nachgewiesenen bakteriellen Infektion der Haut erforderlich. Da die Haut durch Kratzen oft verletzt wird und natürliche Schutzfunktionen herabgesetzt sind, ist das häufiger der Fall.
Teer: Steinkohlenteer wird in entsprechenden Grundlagen sowie als Fertigpräparat verschrieben. Teer weist zwar einen guten entzündungshemmenden Effekt auf. Aufgrund der Geruchsbelästigung sowie der Verfärbung von Wäsche und Haut sind Teerpräparate aber eher für kurzfristige Anwendungen geeignet und werden hauptsächlich in der Kliniktherapie eingesetzt.
Zinkoxid: Zinkpasten kommen aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung speziell während oder kurz nach der Akutbehandlung in Betracht. Andere Wirkstoffe wie Cortisone, juckreizstillende Mittel oder Teere können in Zinkzubereitungen eingearbeitet werden.
Bufexamac: Dieser Wirkstoff hat eine schwach entzündungshemmende und leicht juckreizstillende Wirkung. Er stellt eine schwächer wirkende Alternative zu Cortison dar und wird daher besonders von Kinderärzten verwendet, da die Haut von Kindern noch wesentlich empfindlicher und durchlässiger als die der Erwachsenen ist.
Die innerliche Therapie
Cortison: Die innerliche Behandlung mit Cortison-Präparaten wird im allgemeinen nur kurzfristig im Rahmen der Akutbehandlung bei einem schwer behandelbaren Schub oder ausgedehnten akuten Hauterscheinungen eingesetzt. Langfristige innerliche Cortisonbehandlungen sollten die Ausnahme bleiben und nur bei schwersten Verläufen angewendet werden. Bei monate- oder jahrelanger Hemmung der Rückfälle und Krankheitserscheinungen durch Cortison ist mit einer Reihe zum Teil schwerer Nebenwirkungen zu rechnen.
Antihistaminika: Antihistaminika hemmen hauptsächlich die Wirkung des Histamins in der Frühphase der allergischen Sofortreaktion. Dadurch wird vor allem der unerträgliche Juckreiz bei der Neurodermitis gemildert. Moderne Antihistaminika machen im Gegensatz zu ihren Vorläufern nicht mehr müde. Zusätzlich haben einige moderne Antihistaminika eine hemmende Wirkung auf weitere allergische Entzündungszellen und Botenstoffe. Sie stabilisieren die Mastzellen und verhindern dadurch die Neubildung und Freisetzung weiterer Botenstoffe, die zur Erweiterung der Blutgefäße, zur Schädigung des Hautgewebes und Aktivierung der eosinophilen Granulozyten führen. Durch konsequente Behandlung mit Antihistaminika wird daher nicht nur der Juckreiz gehemmt, sondern auch die gesamte Entzündungsreaktion abgeschwächt. Zur Therapie der Neurodermitis bei Kindern sind Brausetabletten besonders geeignet, da sie im Gegensatz zu vielen Antihistaminika-Tropfen auch keinen Alkohol enthalten. Zudem zeigen sie einen schnellen Wirkungseintritt.
Ciclosporin: Mit Ciclosporin werden in klinischen Studien seit einigen Jahren auch in der Behandlung der schwersten Neurodermitis gute Ergebnisse erzielt. Dieses Medikament wirkt durch gezielte Hemmung der T-Zellen des Immunsystems. Die Anwendung von Ciclosporin wird wahrscheinlich auf schwere Fälle der Neurodermitis beschränkt bleiben, bei denen andere Behandlungsmethoden keinen Erfolg zeigen oder nicht angewandt werden können.
Nachtkerzensamenöl: Die gamma-Linolensäure ist eine ungesättigte Fettsäure, die aus den Samen der Nachtkerze gewonnen wird. Das Therapiekonzept beruht auf Beobachtungen, dass bei Atopikern aufgrund einer Störung des Fettsäurestoffwechsels ein Mangel an natürlichen entzündungshemmenden Substanzen entsteht. Durch Einnahme von gamma-Linolensäure kann dieser Mangel ausgeglichen und die Symptome der Neurodermitis deutlich gebessert werden. Besonders bei Kleinkindern können mit Nachtkerzensamenöl gute Ansprechraten und Juckreizlinderung erzielt werden.