| |
|
Veränderung der Situation
Wenn möglich, versuchen Sie die Situation, die Sie stresst, zu ändern. Machen Sie eine Stressanalyse: Was genau ist in dieser Situation stressig? Teilen Sie Ihre Zeit ein, legen Sie eine Rangordnung fest, erstellen Sie Pläne, halten Sie Wichtiges fest, geben Sie Arbeit weiter. Fragen Sie: Was kann ich selbst tun? Wer kann mich wie unterstützen?
Persönliche Bewertung
Es sind nicht nur die stressigen Situationen selbst, die uns beeinträchtigen, sondern auch die Art und Weise, wie wir sie interpretieren und auf sie reagieren. Sobald wir unsere Sichtweise verändern, können wir auch unsere Reaktionen verändern. Dies geschieht z. B. durch eine Änderung der Perspektive, wie wir sie durch Gespräche mit engen Vertrauten erreichen. Sie können sich auch fragen, was für Fähigkeiten Sie im Laufe der Zeit durch Ihre spezielle Situation schon erworben haben, und so lernen, die Situation als Herausforderung zu verstehen. Außerdem sollten Sie stresserzeugende Einstellungen wie z. B. „Es gibt immer eine perfekte Lösung“ ändern.
Schutzschild aufbauen
Einen Stress-Schutzschild können wir uns aufbauen, indem wir Möglichkeiten finden, einen Ausgleich zu schaffen. Dies kann z. B. durch gezieltes Suchen nach befriedigenden Aktivitäten geschehen oder auch, indem wir Entspannungsverfahren erlernen. Auch gesunde Ernährung und körperliche Fitness tragen dazu bei, dass stressige Situationen besser ausgehalten werden können.
Interview mit Hiltraud Müller, Psychologin im Fachklinikum Borkum
Liegt ein überempfindliches Bronchialsystem vor, können psychische Faktoren Asthmaanfälle auslösen. Emotionale Reaktionen wie Angst, Ärger, Wut, aber auch Lachen und Weinen müssen hier zunächst genannt werden. Während lautes Lachen ähnlich wie Hustenattacken oder Hyperventilation mehr durch mechanische Ursachen Asthmaanfälle auslöst, spielen Ängste eine bedeutsamere Rolle.
Frau Müller, Stress wird zunehmend in Verbindung mit allergischen Reaktionen gebracht. Inwieweit spielen Stressfaktoren etwa bei der Auslösung eines Asthmaanfalls eine Rolle?
Es gibt verschiedene Formen von Ängsten, nicht alle sind von vornherein ungünstig für die Bewältigung des Asthmas. Fehlt einem Patienten jede Angst, so muss dies nicht unbedingt heißen, dass er seine Krankheit optimal im Griff hat. Vielmehr kann er dadurch auch ein leichtsinniges Verhalten zeigen. Tief sitzende Ängste aber, die zu einer depressiven Stimmungslage oder gar zu panischen Reaktionsmustern führen, machen es schwer, in der Krankheitsbewältigung einen klaren Kopf zu behalten. Sie verschlimmern im Gegenteil das Asthma, da sie ihrerseits Atemnotsymptome auslösen.
Das Auftreten von Asthmaanfällen kann vom Organismus auch „gelernt“ werden. So ist es beispielsweise möglich, dass wiederholte Asthmaanfälle beim Sportunterricht durch Erwartungsangst zum Anfall bereits in der Umkleidekabine führen. Daher ist es wichtig, von Anfang an ein an die Erkrankung angepasstes Sportprogramm zu finden und mit dem Arzt eine geeignete Prämedikation zu erarbeiten. Des Weiteren können Asthmaanfälle durch die wiederholte Kopplung von Anfall und positiver Konsequenz (z. B. durch Zuwendung von den Eltern) unbewusst als Mittel eingesetzt werden, eben diese positive Konsequenz herbeizuführen.
Umso wichtiger ist es, dass Kinder früh lernen, selbstverantwortlich mit ihrem Asthma umzugehen. Günstig ist es auch, wenn Eltern versuchen, positive Konsequenzen vermehrt dann folgen zu lassen, wenn ihr Kind ein positives Verhalten gezeigt hat.
Kann Stress auch zu einer Verstärkung des Juckreizes bei der atopischen Dermatitis führen?
Belastungen beeinflussen das vegetative Nervensystem, bestimmte Hormone und das körperliche Abwehrsystem. Bei atopischer Veranlagung sind bestimmte Zellen des Abwehrsystems, die Mastzellen, zu empfindlich und reagieren mit einer Ausschüttung von Histamin bereits, wenn eine geringe Belastung besteht. Histamin ist eine der wichtigsten Substanzen, die den Juckreiz verursachen.
Ein empfindliches Abwehrsystem der Haut kann also Folge von allgemein stärkerer Anspannung sein. Ist zum Beispiel das Kind dauerhaft angespannt, genügen schon geringe, alltägliche Belastungen, um Juckreiz auszulösen, bzw. ist die allgemeine Anspannung eher groß, ist die Juckreizschwelle gesenkt und der Juckreiz kann auch schon bei geringfügigen Belastungen auftreten.
Die körperlichen Anzeichen für Belastungen wie etwa Herzklopfen, verkrampfte Muskulatur oder schnelle Atmung werden allerdings häufig nicht bewusst wahrgenommen oder nicht als frühes Warnsignal aufgefasst. Diese Körperreaktionen zeigen eine Umstellung des Körpers auf die Belastung an, die zwar kurzfristig sinnvoll und „gesund“ ist, auf Dauer aber das Immunsystem schwächt.
Kann man den richtigen Umgang mit Stress trainieren?
Ja, Stress ist beeinflussbar! Grundbausteine dabei sind
Mit Hilfe von psychotherapeutischen Beratungen, Sporttherapie und Entspannungsverfahren wie dem Autogenen Training, der Progressiven Muskelrelaxation oder verschiedenen Entspannungsmethoden für Kinder helfen wir unseren Patienten im Fachklinikum Borkum, Stress langfristig in den Griff zu bekommen.
Durch das Asthma und/oder die Neurodermitis ihres Kindes sind Eltern oder betroffene Erwachsene vielfältigen potentiellen Belastungen ausgesetzt. Mögliche Quellen für Stress sind der pflegerische Aufwand und daraus resultierende Zeitprobleme, finanzielle Belastungen, Erziehungsprobleme oder emotionaler Stress wie etwa das Gefühl, überfordert zu sein.
Sich entspannen und abschalten zu können spielt eine wichtige Rolle bei der Stressbewältigung. Welche Methoden setzen Sie im Fachklinikum Borkum ein?
Entspannungsverfahren sind eine Möglichkeit, sowohl kurzfristigen Belastungen zu begegnen als auch langfristig ein geringeres Anspannungsniveau zu erreichen. Voraussetzung ist, dass man das richtige Entspannungsverfahren wählt, die Technik regelmäßig anwendet und Entspannungsprozesse dadurch einübt. Man unterscheidet drei Wege, zur Entspannung zu gelangen, und zwar den
Abgestimmt auf das Schulungssystem für Kinder werden im Fachklinikum Borkum entsprechend Entspannungskurse für zwei Altersgruppen angeboten. Für Kinder von 4 bis 7 Jahren beginnt jede Entspannungseinheit mit einer Vorstellungsrunde und einer Aktivierungsphase zum Abbau bestehender Anspannung bzw. Übungen zur Körperwahrnehmung. Bei Kindern von 8 bis 14 Jahren wird bereits eine kurze und auf diese Altersgruppe zugeschnittene Form des Autogenen Trainings eingesetzt. Folgende Grundübungen des Autogenen Trainings werden eingesetzt: Ruhe-, Schwere- und Wärmeformel.
Unser Ziel ist es, die Fähigkeit zur bewussten Entspannung bei den Kindern zu fördern und die Anwendung von Entspannung im Alltag anzuregen sowie die Wahrnehmung des entspannten Zustands bei den Kindern zu schulen.
Inwieweit werden die Eltern in die Arbeit mit den Kindern eingebunden?
Wir bieten im Fachklinikum Borkum für Eltern begleitend psychologische Neurodermitis- und Asthmaschulungen an. In den Schulungen wird ihnen relevantes psychologisches Wissen zu den jeweiligen Krankheitsbildern vermittelt.
Bei der Neurodermitisschulung ist insbesondere der Austausch unter den Eltern von großer Bedeutung. In den vier Gruppensitzungen werden parallel zur Kinderschulung alternative Verhaltensweisen zum Kratzen aufgezeigt und Strategien erarbeitet, wie Kinder besser mit Juckreiz umgehen können. Auch auf die familiären Belastungen, die mit der Erkrankung des Kindes einhergehen, wird eingegangen und gemeinsam werden Möglichkeiten entwickelt, diese Belastungen zu meistern.
Im Zusammenhang mit dem Thema Stressbewältigung wird zum Beispiel die Bedeutung der inneren Anspannung im Umgang mit der Neurodermitis erarbeitet. Hier wird auf die Wichtigkeit der Integration von Entspannungstrainings- und Ruheritualen in den Alltag hingewiesen, das heißt, Eltern sollen versuchen, dem Kind Ruhepausen im Tagesablauf zu ermöglichen, und ihrem Kind dabei helfen, z. B. nach der Schule zur Ruhe zu kommen, indem sie ein festes Ritual einbauen.
In der Asthmaschulung lernen Eltern die Bedeutung psychischer Faktoren für den Verlauf der Erkrankung kennen. Einen Schwerpunkt stellt die mit dem Asthma einhergehende Angst, der die Eltern und das Kind ausgesetzt sind, dar. Ziel der Elternschulungen ist es, die Eltern zum Co-Therapeuten auszubilden und den Austausch zwischen den Eltern zu ermöglichen.
Warum ist die begleitende Elternarbeit so wichtig?
Besonders Eltern von chronisch kranken Kindern neigen dazu, ihre Kinder besonders zu umsorgen und auf jede Kleinigkeit zu reagieren (Schonhaltung!). Dies ist sowohl für die Eltern als auch für das Kind häufig sehr anstrengend, führt oftmals zu Stresssituationen und kann sogar zu Erziehungsproblemen führen. Deshalb ist es bedeutsam, dass Eltern ein gutes Verhältnis zur Erkrankung ihres Kindes entwickeln und lernen, dass Überbesorgtheit dem Kind nicht unbedingt hilft. Im Gegenteil, die Kinder sollen durch die Therapie neues Selbstvertrauen gewinnen und gemeinsam mit den Eltern zu einem Leben zurückfinden, in dem nicht mehr nur die Krankheit im Mittelpunkt steht. Dazu gehört auch, dass die Eltern sich wieder Zeit für sich selbst nehmen, beispielsweise an Elternseminaren teilnehmen, sich mit anderen Eltern austauschen und neue Kontakte knüpfen können. Fazit: Die Familie sollte so normal wie möglich leben!
Wir bedanken uns bei Frau Müller ganz herzlich für das Gespräch.