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Interview mit Manja Lippold, leitende Sporttherapeutin im Fachklinikum Borkum
Körperliche Belastung gehört bei prädisponierten Personen zu den häufigsten Auslösern eines Asthmaanfalls. Warum ist sportliche Betätigung für Asthmatiker trotzdem sinnvoll?
Regelmäßiges Training verbessert bei jedem Menschen die Lungenfunktion, und so erhöht sich auch bei Asthmatikern die Reizschwelle für die Auslösung eines Asthmaanfalls. Fazit: Ein guter Trainingszustand wirkt sich in den meisten Fällen günstig auf das Anstrengungsasthma aus. Sich körperlich fit zu fühlen und aktiv am sportlichen Geschehen teilhaben zu können, verbessert nicht nur den Gesundheitszustand der Betroffenen, sondern steigert ebenfalls ihre Lebensqualität. Allerdings muss das Training gut geplant werden. Zusammen mit dem behandelnden Arzt wird das Trainingskonzept individuell auf das Krankheitsbild des Patienten abgestimmt. Auch der Patient selbst sollte entsprechend geschult sein und immer seine Notfallmedikamente griffbereit haben.
Welche Sportarten sind besonders geeignet?
Die günstigsten Belastungsformen für den asthmakranken Patienten sind Wasser-sportarten wie Schwimmen und Wassergymnastik. Einerseits wirken sich Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit im Schwimmbad positiv auf den Schleimtransport aus den Lungen aus. Andererseits ist diese Sportart an keine Jahreszeit gebunden und kann somit während des gesamten Jahres ausgeübt werden. Empfohlen werden ferner Gymnastik sowie Sportarten mit intervallartigen Belastungen wie Ballspiele (u.a. Badminton, Volleyball, Tennis). Mannschaftsspiele haben den Vorteil, dass sie das Erreichen eines wichtigen Behandlungsziels, nämlich das psychophysische Wohlbefinden des Patienten und die soziale Integration, fördern.
Richtig atmen ist für Asthmatiker das A und O. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Atemgymnastik?
In der Atemgymnastik lernen die Patienten atemerleichternde Stellungen oder Techniken. Hierzu zählt die so genannte Lippenbremse, die von den Betroffenen zur besseren Bewältigung eines Asthmaanfalls eingesetzt wird. Außerdem wird durch gezielte Übungen die Atemmuskulatur gekräftigt, der Brustkorb gedehnt sowie die Bauch- und Flankenatmung trainiert. Die Patienten erlernen den bewussten Umgang mit der Atmung, um Atemrhythmus und Atemtiefe zu optimieren. Durch spezielle Atemübungen wird den Betroffenen vermittelt, wie die Atmung bei körperlicher Belastung angepasst wird.
Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Wie helfen Sie als Sporttherapeutin den kleinen Patienten, mit ihrer Krankheit umzugehen?
Auf spielerische Art und Weise werden den Kindern in der Atemgymnastik atemerleichternde Stellungen, die Lippenbremse sowie die verschiedenen Atemtechniken näher gebracht. Die kleinen Patienten lernen, ihren Körper besser wahrzunehmen. Verschiedene Spielformen, die auch mit Atemübungen verbunden werden können, helfen mir, den therapeutischen Zugang zu den Kindern zu erleichtern. So werden in den Stunden Wattebällchen durch die Turnhalle gepustet, die "Hängebauchlage" wird geübt oder auch der „Hai“ gespielt, eine bei den Kindern beliebte Übung aus dem Qigong.Kleine Spiele in der Halle, im Schwimmbad oder am Strand erhöhen insbesondere die Ausdauerleistung der Kinder, was wiederum zu einer Verbesserung der Leistung des Herz-Kreislauf-Systems führt. Da die spielerischen Maßnahmen so oft wie möglich im Freien stattfinden, wird außerdem die allgemeine Abwehr gesteigert. Wichtig ist, dass sportliche Betätigung die Belas-tungsschwelle anhebt und die Kinder die Grenzen ihrer Belastbarkeit besser kennen lernen. Sie werden aus ihrer Isolierung he-rausgeholt und wieder in eine Gruppe integriert.
Welche Erfolge konnten Sie als Sporttherapeutin im Fachklinikum Borkum bei Ihren Patienten bereits verzeichnen?
Erfolge sind für mich, wenn die Kinder gerne zur Atemgymnastik kommen oder Eltern mir berichten, dass ihre Kinder die Atemsituationen besser gemeistert haben. Schön sind auch solche Momente, wenn ich am Ende eines Schwimmkurses feststelle, dass sich die Kinder im Wasser wohl fühlen und gelernt haben, sich in diesem Medium zu bewegen.
Wir bedanken uns bei Manja Lippold ganz herzlich für das Gespräch.