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Viele Kinder und Jugendliche haben verlernt, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Computerspiele und Fernsehen sind an die Stelle von Kreativität und Phantasie gerückt. Dem Fachklinikum Borkum gelingt es immer wieder, durch eine attraktive und abwechslungsreiche Freizeitgestaltung Kinder und Jugendliche zu motivieren und für "andersartige" Aktivitäten zu gewinnen. Über das Freizeitangebot sowie dessen Bedeutung für den Erfolg der Therapie berichtet Birgit Schwarzenberg, Freizeittherapeutin im Fachklinikum Borkum.
Frau Schwarzenberg, wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die Freizeit für eine erfolgreiche Behandlung der Patienten?
Im Rahmen der Rehabilitationsmaßnahme ist die Freizeitgestaltung ein wichtiger Bestandteil der Therapie und trägt in hohem Maße zur Genesung der Patienten bei. Ziel ist es, das Selbstbewusstsein der Patienten in einer ungezwungenen Umgebung zu stärken, die Kinder und Jugendlichen in ihrem Wesen anzunehmen und durch das individuelle Eingehen auf ihre Bedürfnisse die Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu fördern.
Weißer Sandstrand, Dünen und Meer laden sogar Stubenhocker zum Spielen ein. Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich mit den Patienten im Fachklinikum Borkum gemacht?
Gerade am Strand gibt es unzählige Möglichkeiten, die Begeisterung der Kinder zu wecken. Beim gemeinsamen Strandburgenbauen entwickeln die kleinen Patienten sehr viel Fantasie und bewundern noch Tage später ihr Kunstwerk. Auch das Meeresgetier stößt bei den Kindern auf reges Interesse. Auf spannenden Erkundungstouren lernen sie Tiere und Pflanzen der Umgebung näher kennen. Unsere Freizeitaktivitäten finden so oft wie möglich an der frischen Luft statt. Ausflüge zum Aquarium oder Heimatmuseum der Insel werden, wenn es nicht gerade in Strömen regnet, mit einem ausgiebigen Spaziergang verbunden.
Jugendliche sind oft schwerer zu motivieren als Schulkinder. Wie gelingt es Ihnen, auch diese Altersgruppe zu begeistern?
Macht sich erst mal Langeweile breit, verkriechen sich die Jugendlichen in ihr Zimmer, zappen sich durchs Fernsehprogramm oder sitzen vor ihrem Gameboy. Das zumindest bekommen wir tagtäglich von den Eltern zu hören. Im Fachklinikum Borkum versuchen wir, den Jugendlichen durch interessante und altersgerechte Aktivitäten eine Alternative zu bieten, was in den meisten Fällen auch gelingt. So finden regelmäßig Tanzveranstaltungen statt, bei denen die Kinder und Jugendlichen aktiv mitwirken und ihre Kreativität ausleben können. Das eigenständige Ausarbeiten von Tanzchoreographien und deren anschließenden Aufführungen im Spiegelsaal sind nur ein Beispiel dafür. Außerdem steht uns ein Jugendraum zur Verfügung, in dem sich die Jugendlichen bei ungünstiger Wetterlage gerne zum Tischtennis, Billard, Tischfußball, zu Gesellschaftsspielen oder zum Malen und Basteln treffen.
Im Freizeitangebot des Fachklinikums Borkum sind auch gemeinsame Aktivitäten von Eltern und Kindern enthalten. Warum halten Sie diese für sinnvoll?
Oftmals bleibt den Familien für gemeinsame Unternehmungen im Alltag nicht genügend Zeit. Die Folge: Kinder fühlen sich häufig vernachlässigt und aus dem Leben der Erwachsenen ausgegrenzt. Bei uns im Fachklinikum Borkum haben nun Eltern die Möglichkeit, sich intensiv mit ihren Kindern zu beschäftigen, gemeinsam Neues zu entdecken und so ihre familiäre Bindung zu festigen. Beim gemeinsamen Strandspaziergang haben die Eltern außerdem die Möglichkeit sich mit "Gleichgesinnten" auszutauschen.
Wir bedanken uns bei Frau Schwarzenberg ganz herzlich für das Gespräch.