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Interview mit Professor Dr. med. Enno Christophers
Die auslösenden Ursachen der Schuppenflechte sind bisher nur zum Teil erforscht. Es konnte jedoch eindeutig nachgewiesen werden, dass die Anlage der Psoriasis vererbt wird. Man spricht dabei von einer genetischen Disposition. Durchschnittlich erkrankt jedes fünfte Kind mit einem von Schuppenflechte betroffenen Elternteil ebenfalls an Psoriasis. Sind beide Eltern erkrankt, liegt die Wahrscheinlichkeit sogar bei 60 bis 70 Prozent. Prof. Dr. med. Enno Christophers, Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Christian-Albrechts- Universität in Kiel, berichtet in einem Interview über die neuesten Erkenntnisse aus der Genetik.
Prof. Christophers, welches sind die auslösenden Ursachen bei der Schuppenflechte?
Wir wissen heute, dass es verschiedene auslösende Ursachen gibt. Das kann zum Beispiel eine Streptokokken-Infektion der oberen Atemwege, also eine normale Erkältung sein oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie ß-Blocker bei Patienten mit Herzproblemen. Dazu bedarf es aber auch einer genetischen Disposition, das heißt einer erblichen Veranlagung. Etwa zwei Drittel der Psoriasis-Patienten sind genetisch vorgeprägt.
Welche wissenschaftlichen Fortschritte konnten in der Ursachenforschung der Psoriasis in den letzten Jahren erreicht werden?
Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt. Heute noch genauso wie damals. Mit der genetischen Forschung kommen wir nicht der Ursache selbst näher, sondern zunächst nur den Genen, die dann über verschiedene Mechanismen zur Ausprägung der Krankheitssymptome führen.
Bahnbrechende Erfolge in der Biotechnologie führten zur einer fast vollständigen Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes. Konnte das für die chronische Hautkrankheit verantwortliche Gen bereits lokalisiert werden?
Von der Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes ist die wissenschaftliche Forschung noch weit entfernt. Bisher hat man – bildlich gesprochen – die Buchstaben von Wörtern einer fremden Sprache entziffert, aber man kennt noch lange nicht die Bedeutung der Wörter, geschweige denn der Sätze.
Wir haben heute die Vermutung, dass bei einer erblichen Disposition nicht nur ein Gen sondern mindestens drei bis vier Gene für die Erkrankung verantwortlich sind. In der Fachsprache spricht man bei einem solchen Phänomen von einer polygenetischen Erkrankung. Im Klartext: Nicht nur ein Gen, sondern mehrere Gene sind an der Psoriasis beteiligt.
Welche Schwierigkeiten treten bei einer polygenetischen Erkrankung wie der Schuppenflechte auf?
Diese Tatsache erschwert die Suche nach den Genen der Psoriasis ungemein. Dabei stellt sich nicht nur die Frage welche Gene sind an der Erkrankung der Schuppenflechte beteiligt, sondern auch zu wie viel Prozent. Bei monogenetischen Erkrankungen, wie beispielsweise bei Lipidstoffwechselstörungen oder bei einigen Verhornungsstörungen der Haut, für die nur ein Gen verantwortlich ist, kann die genetische Forschung wesentlich schneller vorangetrieben werden.
Welchen Erfolg verspricht die gentechnologische Behandlung von Psoriasis-Patienten? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Betroffenen schon in naher Zukunft geheilt werden können?
Rein spekulativ würde ich behaupten, dass man in den nächsten Jahren zumindest einige weitere Gene, die für die Erkrankung der Psoriasis von Bedeutung sind, aufgespürt hat. Wenn man ein Gen kennt, wird der nächste Schritt sein, herauszufinden, welcher Mechanismus im Körper durch dieses Gen beeinflusst wird. Interessant ist natürlich dann die Frage: Wie kann das Gen repariert werden? Damit erscheint die so genannte Gentherapie auf der Bildfläche.
Was passiert bei der Gentherapie?
Zum einen versucht man, Gene im Reagenzglas zu verändern und die veränderten Gene dann den Patienten zuzuführen. Zum anderen werden bestimmte Gene abgeimpft, was so viel bedeutet, dass bestimmte Auswirkungen der Gene unwirksam gemacht werden. Findet beispielsweise eine Störung in der Verhornung der Haut statt, kann durch Ausschalten dieser Störung wieder eine normale Funktionsweise der Haut erreicht werden. Doch die Realisierung solcher Behandlungsmethoden beim Menschen liegt noch in weiter Ferne.
Wir bedanken uns bei Herrn Prof. Dr. med. Enno Christophers ganz herzlich für das Gespräch.