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Tor! – Der Elfmeter hat gesessen. Siegesstrahlend umarmen sich vier Jungs in roten Trikots und lassen sich erschöpft in den weißen Sand fallen. Schäumende Wellen donnern an den Strand und spritzen die Gischt in den blauen Sommerhimmel. Einer von den Kickern ist Yannick Kasper. Ausgelassen Fußball zu spielen, wäre für den 11- jährigen Blondschopf noch vor zwei Jahren nicht möglich gewesen. Denn Yannick leidet seit 6 Jahren an einem schweren allergischen Asthma. Genauso wie seine Spielgefährten nimmt er an einer stationären Rehamaßnahme im Fachklinikum Borkum teil – und das bereits zum zweiten Mal. Seitdem geht es Yannick erheblich besser.
„Alles fing mit einem Reizhusten an, der trotz Behandlung mit schleimlösenden Medikamenten einfach nicht verschwinden wollte“, erinnert sich die Mutter. Yannicks Kinderarzt tippte auf eine chronische Bronchitis. Dass der Junge an einem Asthma bronchiale leiden könnte, zog er nicht in Erwägung. „Zwei Jahre lang“ , so Gabi Kasper, „schleppte unser damals vierjähriger Yannick die angebliche Bronchitis mit sich herum, bis wir umzogen und den Kinderarzt wechselten.“ Blutuntersuchungen und diverse Allergietests zeigten schließlich, dass Yannick auf Hausstaubmilben, Mehlstaub und Gräserpollen allergisch reagiert. Die Diagnose stand fest: Yannick leidet an allergischem Asthma. Trotz adäquater Behandlung mit DNCG setzten nun auch vermehrt massive Luftnotzustände ein. Die Situation spitzte sich von Tag zu Tag zu. Selbst cortisonhaltige Sprays konnten nicht mehr helfen, die mittlerweile täglich auftretenden Asthmaanfälle zu verhindern. Im Herbst und Winter, wenn sich Infektionskrankheiten ausbreiteten, blieb für Yannick meist nur noch der Weg ins Akutkrankenhaus. Ungefähr 20 Mal sei er wegen seines Asthmas im Krankenhaus gewesen, berichtet der tapfere Junge.
Die ganze Familie beeinflusst
„Die Situation war für uns alle schier unerträglich“, erzählt Frau Kasper. „Mein Mann brauchte sehr lange, um zu akzeptieren, dass Yannick nicht genauso herumtollen und toben kann wie andere Kinder in seinem Alter.“ Für körperliche Anstrengungen wie Fußball spielen, Auf-Bäume-Klettern oder Fahrradfahren war dem Sohn schlichtweg die Luft zu knapp. „Das war damals einfach nicht drin“, sagt die Mutter heute. Einen normalen Familienalltag gab es in diesen Jahren bei den Kaspers nicht. Alles drehte sich nur noch um Yannicks Krankheit. Natürlich hatte Yannick unter seiner Krankheit am meisten zu leiden. In der Schule wurde er zum Außenseiter, weil er oft fehlte und am Sportunterricht nicht teilnehmen durfte. Wie sehr sich Freunde und Verwandte auch bemühten, Yannick galt immer als etwas Besonderes, „halt einfach anders als die anderen“, erklärt die Mutter.
Lang ersehnte Besserung
„Es gibt viele andere Kinder, denen es auch nicht gut geht. Hier fühle ich mich nicht allein“. Zu dieser Erkenntnis kam Yannick letztes Jahr bei seinem ersten Aufenthalt im Fachklinikum Borkum. Zusammen mit Gleichgesinnten lernte er auf spielerische Art und Weise mit seiner Erkrankung umzugehen. Wenn die täglichen Anwendungen wie Kneipp-Güsse, Inhalationen oder die Atemtherapie erfolgreich durchgeführt waren, ging Yannick zusammen mit der Mutter oder den neu gewonnen Freunden an den Strand. Hier standen Beachball, Fußball oder einfach nur lange Spaziergänge am kilometerlangen Sandstrand auf dem Programm. Auch Frau Kasper genoss es, ein wenig ausspannen zu können und die Möglichkeit zu haben, sich mit anderen Müttern auszutauschen.
Körper und Psyche
Neben der psychischen Stabilisierung stand aber vor allem die medizinische Therapie während des vierwöchigen Aufenthaltes auf der Nordseeinsel Borkum im Vordergrund. Zunächst wurde mit Hilfe modernster Methoden eine umfassende und intensive Diagnostik durchgeführt, um daraufhin eine entsprechende Therapie einzuleiten. „Herr Dr. Jansen hat uns hier sehr geholfen“, betont Frau Kasper. Denn im Fachklinikum Borkum wurde zum ersten Mal festgestellt, dass Yannick an einem starken Reflux leidet, der das Asthma, insbesondere die nächtliche Atemnot, verstärkt. Seitdem der Reflux medikamentös behandelt wird, hat sich auch das Asthma deutlich verbessert.
Die Therapieerfolge zeigten sich auch noch nach der stationären Rehamaßnahme im heimischen Saarland. „Wie durch ein Wunder ging die nasskalte Jahreszeit vorüber, ohne dass Yannick – wie sonst üblich – unter heftigen Atemwegsinfekten litt“, sagt Gabi Kasper noch immer beeindruckt. Auch die Fehltage in der Schule wurden immer seltener, so dass Yannick ohne Probleme auf das Gymnasium wechselte. Denn trotz seiner Krankheit war Yannick auch in seiner schwersten Zeit immer ein sehr guter Schüler.
Ein Jahr später ...
Mutter und Sohn sitzen an der Strandpromenade auf Borkum und erfreuen sich an einem großen Becher Eis. „Den haben wir uns aber auch redlich verdient“, verrät Yannick. Denn mit 122 Treffern hat das „Kasper- Team“ heute am Strand einen neuen Rekord im Beachball aufgestellt. Weniger schüchtern als noch vor einem Jahr erzählt Yannick von den letzten fünf Wochen, die er nun zum zweiten Mal zusammen mit Mutter Gabi im Fachklinikum Borkum verbracht hat. Die täglichen Anwendungen, das Reizklima und die entsprechende medikamentöse Einstellung haben auch dieses Mal den gewünschten Erfolg gebracht. Die Dosierung der Medikamente konnte sogar so weit reduziert werden, dass Yannick nur noch zwei Mal täglich ein Kombinationspräparat in Form eine Sprays anwenden muss. Körperliche Anstrengungen sind für den sportbegeisterten Jungen mittlerweile kein Problem mehr. Trotzdem: Für den Notfall hat Yannick immer ein Spray griffbereit. Und da ist der 11-Jährige auch konsequent, schon alleine deshalb, weil er ohne Notfallset auch nicht am Strand Fußball spielen darf. „Dann wäre ich ja sozusagen schon vor Spielbeginn disqualifiziert“, lacht Yannick, während er sein rotes Trikot in der Sporttasche verschwinden lässt.