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Bunte Raketen schießen in den Himmel, überall knallt und zischt es. „Ein richtiges Feuerwerk“, staunt ein dunkelhaariges Mädchen, das zusammen mit sieben weiteren kleinen Gästen im Garten der Familie Jekat steht. Lukas feiert seinen zehnten Geburtstag. Nicht Kuchen, Schokolade und Erdnussflips spielen hier die Hauptrolle, sondern spannende Spiele und originelle Ideen sorgen für ein unvergessliches Erlebnis. „Das Essen ist an Kindergeburtstagen bei uns zweitrangig“, betont der engagierte Vater. Lukas leidet seit dem Säuglingsalter an einer starken Nahrungsmittelallergie. Viele Produkte wie Ei, Käse, Milch, Schokolade und Eis darf er nicht essen. Doch die Familie ist erfinderisch: Streuselkuchen mit milchfreier Hefe und Sauerrahmbutter, milchfreie Schokolade oder Nudeln ohne Ei sind nur einige Beispiele aus ihrem umfangreichen Rezept-Repertoire.
„Bereits in der Stillzeit machten sich erste Anzeichen bemerkbar“, erinnert sich die Mutter. „Sein gesamter Körper war von kleinen roten Flecken und Knötchen übersät.“ Im Alter von drei Monaten entdeckte Frau Jekat dann an Lukas´ Oberarm eine fünfmarksgroße trockene Stelle. Von diesem Zeitpunkt an begann eine nervenaufreibende Odyssee von einem Spezialisten zum anderen. Testungen ergaben zunächst eine allergische Reaktion auf Ei und Milchprodukte. Eine deutliche Verschlechterung des Hautbefundes trat bei Lukas im Alter von einem Jahr ein. Es kam zu starken, bleibenden Hautveränderungen am gesamten Körper, wobei Gesicht, Ellenbogen und Kniekehlen besonders betroffen waren. Drei Jahre später traten zusätzlich Atembeschwerden auf. „Wir waren total verzweifelt, Lukas hat keine Nacht durchgeschlafen“, berichten die Eltern, beide selbst Mediziner. „Weder Kinderärzte im ambulanten Bereich noch die Kollegen in den Universitätskliniken konnten dem Jungen helfen.“ So blieb den Jekats nichts anderes übrig, als sich nach und nach selbst vorzutasten: Was verträgt Lukas gut, wann reagiert der Junge am wenigsten allergisch? „Unser Aufklärungsbedarf blieb dennoch groß, und der Rückhalt bei den Kollegen“, so der Vater, „fiel sehr dürftig aus.“
Erste Zeichen der Besserung stellten sich bei einem dreiwöchigen Aufenthalt im Fachklinikum Borkum im Herbst 1998 ein. Drei weitere Klinikaufenthalte folgten. Hier wurden mit Hilfe moderner Methoden eine umfassende und intensive Diagnostik durchgeführt und daraufhin entsprechende Behandlungsschritte eingeleitet. Um die auslösenden Allergene zu meiden, stellte die Diätassistentin eine individuell auf Lukas´ Krankheitsbild abgestimmte Diät zusammen. Die tägliche Anwendung von Salben, Meerwasserbäder, die Bestrahlung mit UV- Licht und nicht zuletzt eine optimal eingestellte medikamentöse Behandlung und das Hochseereizklima der Insel brachten eine deutliche Besserung seines Hautbefundes. Auch die Eltern wurden in das Therapiekonzept eingebunden. „Wir nahmen an psychologischen Beratungsgesprächen, Vorträgen über Neurodermitis und Schulungsprogrammen teil“, erklärt Herr Jekat. Währenddessen traf sich Lukas mit Gleichaltrigen am Strand, wo sie viel Spaß hatten, aber auch über ihre Probleme reden konnten. Noch heute schreibt und telefoniert er mit einigen seiner Leidensgenossen. „Wir machen uns in schwierigen Situationen Mut“, erklärt Lukas.
Doch wenn der Teenager morgens mit einem stark geröteten Gesicht aufwacht, sind Traurigkeit und Niedergeschlagenheit schnell wieder da. Aber die tatkräftige Unterstützung seiner Familie hilft Lukas, mit seiner Krankheit umzugehen. Rex, das neue Familienmitglied, hat dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet. Trotz Bedenken seitens der Ärzte haben sich die Eltern einen Kurzhaarhund zugelegt. „Rex verbreitet immer gute Laune, das ist für uns alle sehr wichtig“, so der Vater. Auch der Sport steht für Lukas ganz oben. Durch seinen vollgepackten Terminkalender bleibt ihm nicht viel Zeit für trübe Gedanken: Tennis, Inlineskaten, Snowboardfahren. Doch seine besondere Leidenschaft gilt dem Trampolinspringen. Seit einem halben Jahr ist er in der Oberliga. Einmal pro Woche nimmt er regelmäßig an Turnieren teil. Auf die Frage, wie er zu dieser „besonderen“ Sportart gekommen ist, antwortet er keck: „Na deshalb, weil ich auf Borkum beim Trampolinspringen so gut war.“