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Herr Dr. Linzmeier, was versteht man genau unter dem Begriff Infektanfälligkeit?
Zunächst etwas ganz Normales, Physiologisches. Infekte, die ein Kind in den ersten beiden Lebensjahren durchmacht, tragen dazu bei, dass der Körper lernt, mit den Erregern umzugehen, sodass die Anfälligkeit im Lauf der Entwicklung langsam zurückgeht. Nicht selten versteckt sich hinter einer erhöhten Infektanfälligkeit aber auch eine allergische oder pneumologische Grunderkrankung, die bislang übersehen wurde.
Wann braucht ein Kind einen Therapieaufenthalt?
Wenn ein Kind mehr als einmal im Monat eine Erkältungskrankheit erleidet und diese Erkrankungen langwierige Verläufe haben, sodass sich das Kind gar nicht mehr richtig erholt, Gewicht verliert und sich dauernd schlapp und müde fühlt; wenn es häufiger im Zusammenhang mit banalen Erkältungen zu bakteriellen Infektionen (z.B. Mittelohrentzündungen oder Entzündungen der Nasennebenhöhlen) kommt; wenn die gesamte Entwicklung des Kindes darunter leidet. Auch nach einer Operation ist häufig das Immunsystem so geschwächt, dass es mit der täglichen Abwehrschlacht gegen die eindringenden Viren überfordert ist.
Welche therapeutischen Maßnahmen empfehlen Sie bei Infektanfälligkeit?
Schon im frühen Kindesalter sollte Gesundheitsförderung betrieben werden. Das heißt: eine gesunde Ernährung, die Vermeidung von Übergewicht, viel frische Luft und kein Passiv rauchen. Das Fachklinikum Borkum bietet Familien mit infektanfälligen Kindern eine differenzierte und umfassende Behandlung an. Dazu zählen in erster Linie abhärtende Therapieverfahren, die das Abwehrpotenzial steigern. Durch eine Behandlung mit äußeren Temperaturreizen wird eine veränderte Reizverarbeitung mit einer verbesserten Abwehrbereitschaft des Organismus erreicht.
Welchen Einfluss hat das Hochseereizklima auf Infektanfälligkeit?
Durch Abhärtung kann die Infektanfälligkeit vermindert werden. Abhärtend wirken beispielsweise Seebäder und Strandspaziergänge. Auf die Kältewirkung reagiert der Körper mit einer Engstellung der kleinen Blutgefäße in der Haut (physikalische Wärmeregulation) und mit einer erhöhten Stoffwechseltätigkeit (chemische Wärmeregulation). Bei vielen Menschen funktioniert die Wärmeregulation jedoch nicht mehr schnell genug, da sie sich nur selten im Freien aufhalten und diesen Mechanismus nicht mehr „trainieren“. Bakterien und Viren können sich auf diese Weise schneller ausbreiten.
Chefarzt der Fachabteilung Pädiatrie am Fachklinikum Borkum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, praktischer Arzt, Homöopathie, Asthmatrainer, Adipositastrainer
Beruflicher Werdegang:
1989–1991: Ausbildung zum praktischen Arzt
1991–1995: Facharztausbildung zum Kinder- und Jugendarzt am KKH Alt-/
Neuötting; mehrjährige Notarzttätigkeit
1996–2005: niedergelassener Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in
eigener Praxis, begleitend dreijährige Ausbildung in klassischer Homöopathie
beim deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (Diplom Homöopathie)
seit 2005: Chefarzt der Fachabteilung Pädiatrie am Fachklinikum Borkum,
Asthmatrainer und Adipositastrainer für Kinder, Jugendliche und deren Familien