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Interview mit Prof. Dr. Wahn, Chefarzt des Brandenburgischen Allergie- und Asthmazentrums für Kinder und Jugendliche im Klinikum Uckermark in Schwedt an der Oder
Herr Professor Wahn, was versteht man genau unter dem Begriff Infektanfälligkeit?
"Infektanfälligkeit" ist etwas Physiologisches, solange ein Kind noch nicht über eine schützende Immunität verfügt. Infekte erzeugen ebenso wie aktive Impfungen Immunität, und diese trägt dann dazu bei, dass die Anfälligkeit des Kindes während seiner Entwicklung langsam zurückgeht. Denn die Zahl der viralen und bakteriellen Erreger, mit denen ein Mensch im Laufe seines Lebens umzugehen hat, ist nicht unbegrenzt. Neben dieser physiologischen Infektanfälligkeit finden wir aber auch Fälle, bei denen eine pathologische Infektanfälligkeit vorliegt. Diese Unterscheidung ist von erheblicher Bedeutung, da sich im Gegensatz zur physiologischen Infektanfälligkeit hinter der pathologischen Infektanfälligkeit durchaus ein angeborener oder erworbener Immundefekt verbergen kann.
Welche Bedeutung haben virale und bakterielle Infekte für das Immunsystem bzw. für die Entstehung von Allergien?
Wir kennen einige Infektionen und zum Teil auch Impfungen, die eine unterstützende Rolle bei der Entstehung atopischer Krankheitsbilder spielen können. Eine Reihe epidemiologischer Untersuchungen weist aber darauf hin, dass andere Infektionen wie zum Beispiel banale respiratorische Infekte, sofern sie im frühen Säuglingsalter durchgemacht werden, einen gewissen Schutz gegenüber der späteren Entwicklung von Allergien verleihen.
Wie sollte Ihrer Meinung nach - auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse - ein Therapiekonzept für die Behandlung infektanfälliger Kinder aufgebaut sein?
Für primäre Immundefekte, die mit pathologischer Infektanfälligkeit einhergehen, stehen uns wirksame Maßnahmen zur Therapie zur Verfügung. Physiologische Infektanfälligkeit ist dagegen ein normaler ontogenetischer Vorgang und bedarf keiner, insbesondere keiner medikamentösen Therapie. Als begleitende Allgemeinmaßnahmen würde ich es für sinnvoll halten, wenn bereits im frühen Kindesalter Maßnahmen zur Gesundheitsförderung eingeleitet würden. Hierzu zählen unter anderem eine gesunde Ernährung, die Vermeidung von Übergewicht sowie wohldosierte sportliche Aktivitäten. Diesbezüglich kann von Kinderärzten viel bewegt werden.
Wir bedanken uns bei Herrn Professor Wahn ganz herzlich für das Interview.