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Nach Ausschluss einer pathologischen Infektanfälligkeit kann die Neigung zu gehäuft auftretenden Infekten - vor allem der Atemwege - durch verschiedene unterstützende Maßnahmen deutlich verringert werden. Das Fachklinikum Borkum bietet Familien mit infektanfälligen Kindern eine differenzierte und umfassende Behandlung an. Dazu zählen in erster Linie abhärtende Therapieverfahren, die das vorhandene unspezifische Abwehrpotenzial steigern und mobilisieren können. Durch eine Behandlung mit äußeren Temperaturreizen wird eine veränderte Reizverarbeitung mit einer verbesserten Abwehrbereitschaft des Organismus induziert.
Ein Beispiel abhärtender Maßnahmen, die wir im Fachklinikum Borkum durchführen, ist die Hydrotherapie als Teilbereich des Kneippschen Naturheilsystems. Diese thermische Reiztherapie sorgt für eine Durchblutungsförderung der Haut und Schleimhäute. Über eine daraus folgende Beeinflussung des vegetativen Nervensystems kommt es auch zu einer positiven Beeinflussung der inneren Organe. Darüber hinaus wird die Immunabwehr gestärkt. Zu den möglichen Kneippschen Anwendungen gehören Waschungen von Kleinkindern, Wassertreten, verschiedene Varianten von Güssen der Arme und Beine oder auch Wechselfußbäder. Alle diese thermischen Reize führen bei regelmäßiger Anwendung zu einer insgesamt veränderten Reaktionsweise des Organismus, was letztlich eine Abhärtung und damit eine erhöhte Abwehrbereitschaft bedingt.Auch die Sauna als trockenes Heißluftbad stellt einen starken Reizwechsel zwischen heißer Luft und kaltem Wasser dar. Bereits Kleinkinder können bei wöchentlicher Durchführung von Saunagängen von der abhärtenden Wirkung profitieren. Allerdings sollte beachtet werden, dass Menschen mit Atemwegsleiden häufig keine Aufgüsse vertragen. Bei Kindern sollte sich der Aufenthalt zudem auf einen einmaligen Durchgang beschränken. Allgemein stimulierende Effekte auf unser Immunsystem haben auch regelmäßiges Schwimmen sowie niedrig dosierte UVA-Bestrahlung bzw. im Sommer kurze Sonnenbäder.
Abhärtung durch Hochseereizklima
Letztere gehören unter anderem auch zur Klimatherapie, die gerade im Reizklima der Nordsee eine ideale Anwendung findet. Tägliche Spaziergänge, nicht zuletzt auch während der kalten Jahreszeit, führen aufgrund des Abkühlungseffekts des nahezu ständig vorhandenen Windes ebenfalls zu einer veränderten Reizverarbeitung des Organismus. Natürliche Meerwasserinhalationen durch Einatmen salzhaltigen Aerosols bei Strandspaziergängen zählen ebenfalls zu den positiven Aspekten des Aufenthalts an der Nordsee. Nicht geeignet für Kleinkinder, aber durchaus möglich für Schulkinder und Jugendliche sind auch Seebäder, teilweise sogar bis in den Herbst hinein. Diese bedürfen jedoch einer langsamen Vorbereitung durch andere abhärtende Maßnahmen und stehen somit eher am Ende einer Rehabilitationsmaßnahme an der Nordsee.
Allgemein gilt, dass die Anpassung an das Reizklima der Nordsee vorsichtig in kleineren Schritten erfolgen sollte. Gerade bei Kleinkindern können zu frühe und intensive Klimareize belastend wirken. Die Devise einer abhärtenden Klimatherapie ist daher: Am Anfang nicht zu viel, am Ende nicht zu wenig.
Dr. med. Herbert Jansen