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Zur Kosmetikerin geht man, um sich jünger und schöner zu machen – die Haut wird gereinigt, massiert und geschminkt. Sich wohl in seiner Haut zu fühlen ist gerade für Patienten mit chronischen Hauterkrankungen wie der Neurodermitis besonders wichtig. Durch die medizinisch-kosmetische Behandlung wird nicht nur das Erscheinungsbild der Haut deutlich verbessert, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden gesteigert. Im Fachklinikum Borkum ist deshalb die medizinische Kosmetik wesentlicher Bestandteil der Rehabilitation von chronischen Hauterkrankungen. Anja Schell, die mittlerweile auf eine 11-jährige Erfahrung als medizinische Kosmetikerin im Fachklinikum Borkum zurückblicken kann, beschreibt den Ablauf einer dermatologisch-kosmetischen Behandlung bei einer Patientin mit Neurodermitis.
Es ist Montagmorgen 10 Uhr. Beate K. sitzt mir gegenüber und wartet gespannt auf ihre erste Behandlung. Die 35-jährige Einzelhandelskauffrau leidet an einem starken atopischen Ekzem, betroffen sind vor allem das Gesicht sowie Hals, Nacken und Dekolletee. Doch bevor ich mit der Behandlung beginne, verschaffe ich mir zunächst mit Hilfe des so genannten Konsilscheins einen genauen Überblick über die Diagnose, die der behandelnde Arzt gestellt hat. Ich frage sie nach Unverträglichkeiten auf bestimmte Cremes und Pflegeprodukte. Denn ich will sichergehen, dass eine negative Reaktion auf unsere Produkte, die wir bei der Behandlung verwenden, ausgeschlossen werden kann.
Förderung der Durchblutung
Endlich ist es so weit: Beate K. macht es sich auf dem Kosmetikstuhl gemütlich. Ich beginne mit der Gesichtsreinigung, indem ich eine milde Reinigungsmilch auftrage und mit dem so genannten Frimator, einer routierenden Bürste, ihr Gesicht gründlich reinige. Die Reinigung der Haut verbessert die Durchblutung und wirkt sich positiv auf die Hautbeschaffenheit aus. Anschließend werden Reste der Reinigungsmilch mit Wasser und einem Viskoseschwämmchen entfernt. Meine Patientin ist sichtlich erstaunt. Eine Reinigungsmilch zu verwenden sei für sie eine ganz neue Erfahrung, da sie ihr Gesicht sonst nur mit Wasser säubere. Schließlich tränke ich zwei Wattepads mit Gesichtswasser und reinige nochmals Gesicht, Hals und Dekolletee. Beate K. ist immer noch überrascht: keine Sofortreaktion wegen Unverträglichkeit – das ist selten. Ich spüre, dass die Patientin mir vertraut und sich immer mehr entspannt. Die erste Hürde ist genommen.
Meeresschlick: feuchtigkeitsspendend und belebend
Im nächsten Schritt trage ich nun die Meeresschlick-Creme-Maske auf, die nicht nur beruhigend und feuchtigkeitsspendend wirkt, sondern auch noch reichhaltig an Mineralstoffen und Spurenelementen ist. Mit einer feuchtkalten Kompresse zugedeckt, verbleibt die Maske etwa zwanzig Minuten auf dem Gesicht. Zeit genug, miteinander zu reden. Beate K. erzählt viel über ihre Erkrankung. Als Einzelhandelskauffrau in einem Schuhgeschäft fühlt sie sich oft körperlich und psychisch überfordert. Der Druck werde immer größer sagt sie: Die Verkaufszahlen sollen steigen, während das Personal immer weiter reduziert werde. Die berufliche Belastung wirkt sich dann wiederum negativ auf ihr Hautbild aus. Ein Teufelskreis. Ich höre ihr aufmerksam zu und lasse sie in aller Ruhe erzählen. Im Hintergrund läuft eine angenehme und beruhigende Musik.
Entspannung pur
Die 20 Minuten sind um. Vorsichtig nehme ich Maske und Kompresse ab und beginne mit der Gesichtsmassage. Doch nicht nur Gesicht, sondern auch Hals, Dekolletee, Schulter und Nackenbereich werden in die Massage einbezogen. Massiert wird mit Pflegecremes, die entweder speziell vom Arzt verordnet wurden oder von der Patientin bereits über einen langen Zeitraum angewendet werden. Über die intensive Gesichtsmassage besteht die Möglichkeit, den gesamten Organismus positiv zu beeinflussen und dem Patienten das Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Auch Beate K. empfindet ein Wohlgefühl, das sie, wie sie mir später berichtet, lange nicht mehr in dem Maße erlebt habe. Geredet wird während der 20- bis 25-minütigen Massage in der Regel nicht. Denn die Patientin soll in dieser Zeit entspannen, abschalten und jeden einzelnen Griff genießen.
Mit der Gesichtsmassage endet dann auch die erste Behandlung von Beate K. Entspannt und glücklich verabschiedet sich die Patientin mit den Worten: „Zum Glück sehen wir uns ja schon übermorgen das nächste Mal.“