| |
Dauer und Dosierung der Therapie sollten unbedingt vom Arzt festgelegt werden. |
Das Mittel ist nicht neu – doch es ist zunehmend besser erforscht und nicht zuletzt durch den therapeutischen Erfolg bei unzähligen Psoriatikern in seiner Wirksamkeit bestätigt. Die Therapie von schwerer Psoriasis mit Fumarsäureestern ist in Deutschland inzwischen weit verbreitet und dank des günstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses bei speziellen Indikationen sogar Therapie der Wahl.
Der Krankheitsverlauf und das Erscheinungsbild der Psoriasis sind individuell sehr unterschiedlich. Nach wie vor ist noch keine ursächliche Therapie dieser Erkrankung, sondern lediglich eine Behandlung der Symptome möglich. Dabei hängen die Behandlungsmaßnahmen in großem Maße von der Schwere der Erkrankung und der Ausbreitung der Läsionen ab. Leichte Formen der Psoriasis können rein äußerlich meist erfolgreich mit Cremes und Salben beziehungsweise auf der Kopfhaut mit entsprechenden Tinkturen und Shampoos behandelt werden. Bei großflächiger Ausbreitung wird die lokale Therapie häufig mit einer Licht- und Reizklimatherapie kombiniert. Geeignet ist hier unter anderem auch die Balneo-Photo-Therapie, eine Kombination aus salzhaltigen Bädern mit anschließender UV-B-Therapie.
In schweren Fällen: systemische Therapie
Bei zwei Dritteln aller Psoriatiker verläuft die Erkrankung chronisch über einen langen Zeitraum ohne Rückbildungsneigung. Wenn in diesen Fällen alle Möglichkeiten der äußeren Behandlung ausgeschöpft sind, kann eine innere, so genannte systemische Therapie sinnvoll sein, bei der Arzneimittel als Tabletten oder in Form von Injektionen verabreicht werden. In den letzten Jahren gewann die systemische Behandlung mit Fumarsäureestern immer stärker an Bedeutung. So wurden im Jahr 2001 über 75 Prozent aller Psoriasis-Patienten, die eine Systemtherapie durchführten, mit Fumarsäureester behandelt.
Aus der Natur
Fumarsäureester sind Abkömmlinge der Fumarsäure. Fumarsäure ist eine natürliche Substanz und gehört zu den so genannten Fruchtsäuren. Sie ist Inhaltsstoff des Blausporns oder Erdrauchs (Fumaria officinalis), einer in Mitteleuropa weit verbreiteten Heilpflanze, deren Wirkung auf trockene und schuppige Haut bereits im Mittelalter bekannt war. Allerdings ist reine Fumarsäure, in der Lebensmitteltechnik auch als E 297 bezeichnet und unter diesem Namen auch auf der Liste der Inhaltsstoffe von Fruchtgummis, Götterspeise oder Backmitteln zu finden, für eine systemische Behandlung der Psoriasis ungeeignet. Sie kann vom Magen- Darm-Trakt nicht aufgenommen werden. Deshalb werden Gemische von Fumarsäureestern eingesetzt, die im Gegensatz zur Fumarsäure fettlöslich sind und über die Schleimhäute in den Organismus gelangen können.
Wie wirken Fumarsäureester?
Der genaue Wirkmechanismus der Fumarsäureester war lange Zeit unklar. Wissenschaftliche Untersuchungen konzentrieren sich auf zwei Effekte: Zum einen verringern Fumarsäureester die beim Psoriatiker gesteigerte Zellteilungsrate der hornschichtbildenden Zellen, der so genannten Keratinozyten. Zum anderen wirken die Fumarsäureester immunmodulierend, das heißt, sie regulieren das überaktive Immunsystem. Unter der Behandlung werden deutlich weniger Zytokine gebildet. Zytokine sind ganz bestimmte Botenstoffe, die in der psoriatischen Haut in erhöhtem Maße vorkommen. Gleichzeitig erhöhen Fumarsäureester die Konzentration von entzündungshemmenden Stoffen.
Zahlreiche klinische Studien
Klinische Studien belegen eine bis zu 80- prozentige Ansprechrate auf die Fumarsäureester- Therapie bei schwerer und schwerster Psoriasis. Allerdings sollten die Patienten nicht eine sofortige Besserung der Hautsymptome erwarten. Üblicherweise ist erst nach vier bis sechs Wochen mit einem ersten Therapieeffekt zu rechnen. Wichtig ist, dass die Dauer und die Dosierung der Therapie individuell von dem behandelnden Arzt festgelegt werden. Das übliche Therapieschema beginnt mit einer so genannten einschleichenden Dosierung. Dadurch wird der Körper langsam an das Medikament gewöhnt und unerwünschte Nebenwirkungen treten seltener auf. Diese Anfangsdosierung wird stufenweise gesteigert und dann, je nach klinischem Effekt, individuell angepasst.
Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen
Auf Grund der Wirkung der Fumarsäueester auf das Immunsystem kann es zu Veränderungen des Blutbildes kommen. Diese Nebenwirkung lässt sich jedoch durch regelmäßige Blutuntersuchung und Überprüfung der Blutwerte kontrollieren. Häufig kommt es zu Beginn der Therapie zu Gesichtsrötungen und Hitzewallungen. Diese so genannten Flush-Symptome treten bei 75 Prozent der Patienten auf, typischerweise vier bis sechs Stunden nach der Einnahme des Medikamentes, lassen aber mit Dauer der Therapie deutlich nach. Als weitere unerwünschte Nebenwirkung treten mitunter Beschwerden im Magen-Darm-Trakt auf. Diese Beschwerden sind individuell sehr unterschiedlich und lassen sich häufig durch einschleichende Dosierung oder zeitweilige Verringerung der Dosis reduzieren.
Der behandelnde Arzt sollte dann zusammen mit dem Patienten eine Nutzen-Risiko- Abwägung treffen und entscheiden, ob die Behandlung sinnvoll ist. Eine Behandlung mit Fumarsäureestern sollte nur unter ständiger Kontrolle durchgeführt werden, damit der Arzt den individuellen Krankheitsverlauf beurteilen und die Dosierung entsprechend anpassen kann.