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Gemüse
Obst
Getreide
Kräuter / Gewürze
Jeder dritte Pollenallergiker leidet zusätzlich an einer Überempfindlichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel. So kann etwa ein herzhafter Biss in einen Apfel oder der Verzehr eines pikant gewürzten Auflaufs zu Unverträglichkeitsreaktionen führen. Diese reichen von Juckreiz über Schwellungen im Mund- und Rachenraum bis hin zu Magen-Darm-Beschwerden, Kreislaufproblemen und Atemnot. Eine Ähnlichkeit von Pollenallergenen mit denen einiger Nahrungsmittel führt zu derartigen allergischen Reaktionen. Wie Betroffene eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie – auch Kreuzallergie genannt – erkennen und entsprechend handeln können, erfahren wir in einem Interview mit Kirsten Klempert, DiplomÖkotrophologin im Fachklinikum Borkum.
Wann können pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien bzw. Kreuzallergien auftreten?
Besonders häufig treten solche Kreuzallergien bei Menschen mit einer Pollenallergie gegen Bäume, Gräser, Getreide sowie Kräuter auf. Bei den Bäumen verursachen meist die Pollenallergene der so genannten Frühblüher, wie Birken, Erlen und Hasel, Kreuzreaktionen, während bei den Kräutern vor allem Beifußpollen problematisch sind. Bei Patienten mit einer Allergie gegen Baumpollen bestehen häufig Beschwerden beim Verzehr von Nüssen und rohem Kernund Steinobst. Ganz typisch ist hier die Unverträglichkeit gegen Äpfel. Beifußpollenallergiker vertragen neben einigen Gemüsesorten wie Karotten und Sellerie auch sehr viele Kräuter und Gewürze nicht. Kreuzreaktionen bei Gräser- und Getreidepollenallergien treten meist beim Verzehr von rohem Getreide (z. B. Frischkornbrei oder -müsli) und Hülsenfrüchten wie Sojabohnen und Erdnüssen auf. Die Beschwerden und Reaktionen auf pollenassoziierte Nahrungsmittelallergene sind vor allem in der Zeit des entsprechenden Pollenfluges besonders ausgeprägt.
Wie finden Sie heraus, ob ein Pollenallergiker auch an einer pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie leidet?
Das Risiko, als Pollenallergiker entsprechende Nahrungsmittelgruppen nicht zu vertragen, ist zwar durchaus hoch, doch welche assoziierten Nahrungsmittel tatsächlich allergische Reaktionen auslösen, ist sehr unterschiedlich. Und: Nicht jeder Pollenallergiker leidet automatisch an einer assoziierten Nahrungsmittelallergie. Inwieweit der Verzehr von pollenassoziierten Nahrungsmittelallergenen im Einzelfall zu allergischen Reaktionen führt, muss deshalb individuell überprüft werden. Denn genau zu wissen, welche Pollenarten beim Patienten zum „Heuschnupfen“ führen, erleichtert natürlich die Zuordnung zu den in Frage kommenden Nahrungsmittelgruppen. Diagnostische Haut- und Bluttests sowohl auf Pollen- als auch auf die assoziierten Nahrungsmittelallergene geben in der Regel erste Hinweise. Zusätzlich sollte das Auftreten der Symptome genau beobachtet und festgehalten werden: Wann treten die Beschwerden auf? Welche Nahrungsmittel wurden zuvor verzehrt? Kann ich ausschließen, dass andere z. B. gleichzeitig verzehrte Nahrungsmittel die Beschwerden verursachen? Vereinfacht wird die Beobachtung dadurch, dass sich pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien meist in einer Sofortreaktion äußern. So etwa folgt dem Biss in einen Apfel in den meisten Fällen ein sofortiger Juckreiz, Schleimhautschwellungen oder Bläschenbildung im Mund- bzw. Rachenbereich. Schwieriger wird es jedoch bei Symptomen im Magen-Darm-Trakt oder an der Haut, da hier die Beschwerden auch verzögert auftreten können.
Welche Konsequenzen ergeben sich für den Speiseplan?
Ist der „Übeltäter“ entdeckt, wird das unverträgliche Nahrungsmittel vorerst vom Speiseplan gestrichen. Dabei ist es wichtig, ebenfalls auf versteckte Allergene zu achten. Ist man zum Beispiel als Birkenpollenallergiker auf Haselnüsse allergisch, reicht es nicht aus, darauf zu verzichten, Haselnüsse als solche zu verzehren. Denn auch andere Nahrungsmittel, wie z. B. Schokolade und Schokoriegel, Kuchen und Gebäck, können Nüsse enthalten, und das leider sehr oft in versteckter, dass heißt nicht sichtbarer Form. Ein Blick auf die Zutatenliste oder Nachfragen beim Hersteller sind deshalb oft hilfreich.
Wenn nachweislich nur sehr geringe Beschwerden bestehen, ist ein strikter Verzicht auf das Allergen nicht notwendig. So ist etwa ein Teil der Allergene in Obst und Gemüse nicht hitzebeständig, was dazu führt, dass einige Birkenpollenallergiker nur dann Beschwerden haben, wenn sie bestimmte Obst- oder Gemüsesorten roh verzehren. Ein herzhafter Biss in einen frischen Apfel kann mit geschwollener Mundschleimhaut oder unangenehmem Juckreiz im Rachen verbunden sein, während gekochtes Apfelmus oder ein Stück gebackener Apfelkuchen möglicherweise gut vertragen werden.
Grundsätzlich ist es wichtig, bei Pollenallergikern genau herauszufinden, ob und auf welche Nahrungsmittel allergische Reaktionen bestehen, um dann die notwendigen diätetischen Maßnahmen zu ergreifen.
Welche Diätverfahren stehen diesen Patienten im Fachklinikum Borkum zur Verfügung?
Besteht der Verdacht auf pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien, kann zunächst eine individuelle Eliminations-Diät durchgeführt werden. Hier werden ein oder auch mehrere in Verdacht stehende Nahrungsmittel bzw. Nahrungsmittelinhaltsstoffe für mehrere Tage aus dem Speiseplan genommen. Treten dann bei der Nahrungsaufnahme keine Beschwerden bzw. allergischen Reaktionen mehr auf, kann unter Aufsicht eine gezielte und kontrollierte Gabe der entsprechenden Nahrungsmittel durchgeführt werden. Zeigen sich dabei erneut deutliche allergische Symptome, wird das reaktionsauslösende Nahrungsmittel aus dem Speiseplan gestrichen und durch ein möglichst gleichwertiges, verträgliches Nahrungsmittel ersetzt. Berücksichtigt bzw. geprüft wird natürlich auch, ob das Nahrungsmittel vielleicht in einer anderen Verarbeitungsform, z. B. nach Erhitzung wie bei bestimmtem Obst und Gemüse, vom Patienten vertragen wird. Außerdem informieren wir unsere Patienten darüber, in welchen Produkten Allergene versteckt vorkommen können und unter welchen Bezeichnungen diese z. B. in Fertigprodukten zu finden sind.
Für Patienten mit eindeutig diagnostizierten oder vorher schon bekannten pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien wird der Speiseplan im Fachklinikum Borkum entsprechend individuell gestaltet: Die Patienten erhalten nach eingehender Beratung eine eigene Diät, bei der die relevanten Allergene gemieden werden.
Wie kann man verhindern, dass eine Allergie- Diät zu einem Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen führt?
Wichtig ist es, keine „Pauschal-Diät“ durchzuführen. Denn es macht keinen Sinn, alle Nahrungsmittel, bei denen ein grundsätzlicher Zusammenhang mit Pollenallergien bekannt ist, zu meiden. Eine solche Diät kann unter Umständen sehr schnell zu einem Nährstoffmangel führen, vor allem dann, wenn ganze Nahrungsmittelgruppen einfach weggelassen werden. Außerdem: Auch der Genuss und die Freude an der Vielfalt unseres Essens geht auf diese Weise schnell verloren.
Grundsätzlich gilt: Es sollte nur auf die Nahrungsmittel verzichtet werden, bei deren Verzehr eindeutig erkennbare allergische Beschwerden auftreten. Pollenallergiker zeigen auf die möglichen kreuzreaktiven Nahrungsmittelallergene individuell unterschiedliche Reaktionsmuster sowohl hinsichtlich der Art und Zahl als auch der Stärke der Reaktionen. Pauschale Vorhersagen sind deshalb nicht möglich. Hat man herausgefunden, welche Nahrungsmittel allergische Symptome verursachen und aus dem Speiseplan gestrichen werden müssen, sollten diese durch ernährungsphysiologisch gleichwertige Nahrungsmittel ersetzt werden. Vielfach ist dies mit unkomplizierten Maßnahmen leicht zu erreichen. Ein Beispiel: Ist bei einer Birkenpollenallergie die Auswahl an frischem Obst, das dem Körper wertvolle Vitamine und Ballaststoffe liefert, auf Grund der pollenassoziierten Allergie möglicherweise sehr stark eingeschränkt, kann stattdessen ganz einfach der Verzehr von verträglichen frischen Gemüsesorten und Salaten gesteigert werden. Gemüse und
Salat enthalten wie Obst eine Vielfalt an Vitaminen und Ballaststoffen und bieten hier einen gesunden und ausreichenden Ersatz. Wird gekochtes Obst vertragen, so sollte nicht vergessen werden, dass dieses trotz eines Vitaminverlustes durch Erhitzen noch eine Menge an nützlichen Inhaltsstoffen (bioaktive Substanzen wie sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe) liefert und so entscheidend zu einer gesunden Ernährung beitragen kann.
Können die Patienten nach ihrem Aufenthalt im Fachklinikum eine allergenarme Ernährung auch zu Hause umsetzen?
Auf jeden Fall. In Beratungsgesprächen erfahren die Patienten, wie sie mit einer pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie umgehen und was sie selbst tun können. Es werden gemeinsam Antworten und Lösungen erarbeitet, wie auch zu Hause ein entsprechendes Allergen gemieden und eine gesunde Ernährung umgesetzt werden kann. Informationsblätter sollen dabei als Gedächtnisstütze helfen. „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet auch das Motto der Beratung. Wichtig für Patienten mit Nahrungsmittelallergien ist es zum Beispiel, einschätzen zu lernen, welche Nahrungsmittel möglicherweise versteckte Allergene enthalten oder wie sie an entsprechende Informationen kommen können.
Eine allergenarme Ernährung durchzuführen setzt natürlich, wie bereits erwähnt, zunächst voraus, genau zu wissen, auf welche Nahrungsmittel man mit allergischen Beschwerden reagiert. Hier, im Fachklinikum Borkum, sind wir in der Lage, dies gemeinsam mit dem Patienten im Beratungsgespräch oder auch über Such- bzw. Auslass- Diäten mit anschließender Austestung der entsprechenden Nahrungsmittel herauszufinden, um entsprechende Maßnahmen für die Ernährung während des Aufenthalts, aber auch für zu Hause treffen zu können.
Wir bedanken uns bei Frau Klempert ganz herzlich für das Gespräch.
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Im Fachklinkum Borkum gehören die Krankengeschichte, Hauttestungen, Labordiagnostik und Provokationstestungen zur Diagnostik von Nahrungsallergen dazu.