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Trotz einer starken genetischen Disposition kann die Entwicklung von Krankheitserscheinungen beim atopischen Ekzem ausbleiben oder aber mittels einer medizinischen Behandlung erfolgreich verhindert, verzögert oder abgeschwächt werden. Dazu müssen alle Faktoren, die die Krankheit auslösen oder unterhalten, erkannt und behandelt werden. Das Fachklinikum Borkum arbeitet mit einem ganzheitlichen Therapiekonzept, in das die Arbeit von Dermatologen, Pädiatern, Allergologen, Psychologen und Oecotrophologen sowie insbesondere auch die Ausnutzung des einmaligen Hochseereizklimas der Insel einfließt.
Häufig tritt die entzündliche, chronisch verlaufende Hauterkrankung im Säuglings- und Kleinkindalter in Form von festhaftenden Schuppenkrusten am behaarten Kopf auf (bekannt als Milchschorf). Bis zum zweiten Lebensjahr sind vor allem Gesicht, Hals, die Streckseiten der Arme und Beine sowie die Hand- und Fußgelenke betroffen. Es finden sich Hautrötungen, die zum Teil nässen bzw. Krustenauflagerungen aufweisen. Mit zunehmendem Alter treten dann die typischen Beugenekzeme an Kniekehlen und Ellenbeugen auf.
Nach einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte, bei der sämtliche möglichen Einflussfaktoren erfasst werden, sollte der Patient zunächst in möglichst kurzer Zeit symptomfrei werden. Dies ist Voraussetzung, um anschließend die notwendigen diagnostischen und rehabilitativen bzw. therapeutischen Maßnahmen einzusetzen, die eine langfristige Stabilisierung des Gesundheitszustandes zum Ziel haben. Prävention steht dabei an erster Stelle. Dafür ist eine schadstoff- (Tabakrauch etc.) und allergenarme Umgebung (keine Fell tragenden Haustiere, Verminderung der Hausstaubmilbenbelastung) erforderlich. Weitere Präventionsmaßnahmen sind eine regelmäßige Hautpflege und das Meiden irritierender Kleidung.
Diagnostik
Im Rahmen der Diagnostik gilt es abzuklären, welche unspezifischen Reize zu der typischen Austrocknung und/oder Irritation der Haut mit nachfolgendem Juckreiz führen. Außerdem ist die Bedeutung allergischer Reaktionen für das atopische Ekzem individuell zu überprüfen (siehe Interview Seite 4). Als weitere wichtige Auslöser von Ekzemschüben sind bestimmte Bestandteile von Bakterien (vor allem Staphylokokken) und Hefepilzen zu berücksichtigen. Auch virale und bakterielle Infekte der Haut oder Atemwege können vorübergehend zu einer deutlichen Verschlechterung des atopischen Ekzems führen. Außerdem ist es sinnvoll, mögliche psychosomatische Auslösefaktoren bzw. -situationen zu ermitteln.
Innere und äußerliche Therapie
Aufgrund von Störungen bestimmter Hautfunktionen bei Neurodermitikern mit der Folge einer Hauttrockenheit ist zumeist eine dermatologische Basistherapie (u.a. mit wirkstofffreien, dem jeweiligen Hautzustand angepassten Pflegeprodukten, Ölbädern und/oder lokalen Feuchthaltefaktoren) notwendig (siehe Seite 3). Für die entzündungshemmende und juckreizstillende symptomatische Behandlung können verschiedene Therapeutika individuell eingesetzt werden. Hierzu zählen u.a. die Anwendung von Kortikosteroiden und anderen entzündungshemmenden Wirkstoffen sowie die Einnahme von juckreizstillenden Medikamenten, wie zum Beispiel Antihistaminika. Zusätzlich wird eine Lichtbehandlung bzw. Balneo-Phototherapie eingesetzt. Im Fachklinikum Borkum kann die Balneo-Phototherapie auf ganz natürliche Weise durch ein Bad in der Nordsee und anschließendes Sonnenbaden durchgeführt werden. Im Winter oder bei schlechtem Wetter steht für diese bewährte Therapie das Meerwasserschwimmbecken in der Klinik zur Verfügung. Für einen Teil der Patienten kann außerdem die innerliche Gabe von Gamma-Linolensäure von therapeutischem Nutzen sein. Zusätzlich wird im Fachklinikum das besondere Hochseereizklima der Insel Borkum in das therapeutische Konzept eingebunden. Hierbei werden die Reiz- (Wind, niedrigere Temperaturen, UV-Strahlung) und Schonfaktoren (ausgeglichenere Temperaturen und Feuchte, Luftreinheit und Allergenarmut) genutzt, wodurch die Häufigkeit einer akuten Verschlechterung vermindert, weitere Schübe verkürzt, der Schweregrad der Neurodermitis und die Häufigkeit und Intensität des Juckreizes verringert werden können. Außerdem gelingt es meist, die lokale Anwendung von Kortison deutlich zu reduzieren.Auch die Möglichkeiten der Sport- und Bewegungstherapie können sowohl für Kinder als auch Erwachsene mit Neurodermitis sehr hilfreich sein. Genauso wichtig ist eine kontinuierliche psychologische Betreuung. Neben Entspannungstechniken lernen die Kinder mit Hilfe verschiedener Strategien den Juckreiz zu vermeiden (siehe unten). Zudem können Einzel- oder Gruppengespräche sowie bei Kindern insbesondere die Spiel-, Mal- oder Gestalttherapie eingesetzt werden. Mittels der derzeit zur Verfügung stehenden diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten gelingt es uns in den meisten Fällen, ein erfolgreiches individuelles Behandlungskonzept für die Betroffenen zu entwickeln.
Dr. med. Dieter Vieluf