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Kinder und Jugendliche leiden besonders häufig an Asthma bronchiale, einer der häufigsten chronischen Krankheiten im Kindesalter. In Mitteleuropa leiden vier bis fünf Prozent aller Kinder an einem ständigen Asthma und weitere fünf Prozent an einem gelegentlich auftretenden. Ein sehr schweres Asthma ist dank der verbesserten Langzeittherapie selten geworden.
Erbliche Anlagen stehen im Vordergrund der Erkrankung. Das lässt sich aus der Familienanamnese entnehmen. Wenn ein Elternteil an Asthma bronchiale erkrankt ist, beträgt das Vererbungsrisiko auf die Kinder 20 bis 30 Prozent. Wenn beide Eltern an der Krankheit leiden, erhöht sich das Risiko auf bis zu 50 Prozent. Der Erbeinfluss von Seiten der Mutter ist etwas größer. Störfaktoren in der Schwangerschaft können mitverantwortlich sein.
Anzeichen von Asthma bereits in den ersten Lebensjahren
Im Kleinkindalter leiden etwa doppelt so viele Jungen wie Mädchen an Asthma. Das Verhältnis gleicht sich im Schulalter allmählich an, und ab dem 16. Lebensjahr sind mehr weibliche als männliche Patienten zu verzeichnen. Nur bei 20 Prozent tritt das Asthma erst im Erwachsenenalter auf. In drei Viertel der Fälle macht sich die Krankheit zwischen dem ersten bis vierten Lebensjahr bemerkbar.
Zu der erblichen Veranlagung kommen exogene Faktoren. Wohnungen sind heute wärmer, feuchter und weniger gut durchlüftet und bieten damit einen idealen Nährboden für Milben und Schimmelpilze. Haustiere und Pflanzen sind ebenfalls Träger zahlreicher Allergene. Besonders empfindlich reagieren die Schleimhäute von Kindern auf allergieauslösende Stoffe. Aber auch gegenüber Tabakrauch und Reizgasen wie Schwefeldioxid, Stickoxiden und Ozon sind ihre Bronchien anfälliger.
Virale Infekte als Auslöser
Pathogenetisch entwickelt sich in den Bronchien der Asthmapatienten eine chronische Entzündung, die sich klinisch durch vermehrte, zähe Schleimabsonderung, einen Husten und anfallsartige Atemnot bemerkbar macht, wenn die Bronchien durch den entzündlichen Reiz spastisch verengt oder durch die angeschwollene Bronchialschleimhaut und den Schleim verlegt werden. Bei Säuglingen beginnt die Asthmaerkrankung häufig mit einer Bronchitis. Auslöser sind zumeist virale Infekte.
Allergentests als verlässliche Methode
So manche chronische oder sich in kurzen Abständen wiederholende Bronchitis kann heute mit Hilfe besserer diagnostischer Methoden als allergisch bedingt erkannt werden. Die Zunahme des Asthmas ist deshalb zum Teil nur scheinbar und beruht auf der optimalen Ursachenerkennung durch allergologische Untersuchungen und Lungenfunktionsprüfungen. Der Arzt kann durch eine einfache Bestimmung der Immunglobulin-E-Antikörper im Blut feststellen, ob der Patient zu atopischen Erkrankungen neigen könnte. Die Konzentration der IgE-Antikörper ist dann zumindest um das Doppelte der Norm erhöht. Durch spezielle Tests (RAST) kann nachgewiesen werden, welche spezifischen Sensibilisierungen vorliegen und eventuell zum Asthma führen könnten. Billiger und in der Aussagekraft beinahe stärker sind Pricktests mit Allergentestlösungen an der Haut.
Große Fortschritte bei löslichen Inhalatiospräparaten
Die medikamentöse Behandlung des Asthma bronchiale erfolgt bei Kindern nach den gleichen Prinzipien wie bei Erwachsenen. Große Fortschritte haben Asthmamedikamente als Inhalationspräparate in Form von Lösungen gebracht, die direkt in die Bronchien eingeatmet werden und so bei bis zu 40fach niedrigerer Dosierung die gleiche Wirkung erzielen. Ärzte empfehlen die Verwendung eines kompressionsgetriebenen Düsen-Aerosol-Gerätes. Entzündungshemmende Medikamente sollten über eine längere Zeit verabreicht werden. In leichteren Fällen genügt die Inhalation von DNCG (Dinatriumcromoglycinsäure), ansonsten sollte die inhalative Behandlung mit Cortison angewendet werden.
Zur ganzheitsmedizinischen Behandlung gehören Atemgymnastik, Sporttherapie, psychologische Beratung und Entspannungsübungen. Die Insel Borkum bietet mit ihrem Reizklima beste Voraussetzungen für eine Therapie des kindlichen Asthma bronchiale.
Prof. Dr. med. Hermann Manzke