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Interview mit Dr. med. Herbert Jansen, Facharzt für Pädiatrie im Fachklinikum Borkum
Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens eine Allergie zu entwickeln steigt erheblich, wenn Eltern oder Geschwister Allergiker sind. Welche Tipps geben Sie den Eltern von Allergierisiko-Kindern mit auf den Weg?
Wir wissen, dass allergische Erkrankungen innerhalb einer Familie einen starken Risikofaktor für die Entwicklung von Asthma, Heuschnupfen und Psoriasis beim Kind darstellen. Je mehr Familienmitglieder betroffen sind, desto höher ist statistisch gesehen das Risiko eines Kindes, ebenfalls unter einer atopischen Erkrankung zu leiden. Diese genetisch bedingte Disposition lässt sich nicht verändern. Durch eine Beeinflussung von Umwelt und Verhalten ist jedoch eine Modifikation des Erkrankungsbeginns und -verlaufs möglich. Eine erste Prophylaxe bedeutet bereits die Empfehlung, ein Neugeborenes über mindestens 4 besser sogar 6 Monate ausschließlich mit Muttermilch zu ernähren. Ob auch die Mutter während des Stillens eine Diät unter Meidung von häufigen Nahrungsallergenen wie Kuhmilch oder Hühnerei einhalten sollte, ist noch nicht eindeutig gesichert. Sollte eine Muttermilchernährung nicht möglich sein, kann so genannte hypoallergene Nahrung (HA-Milch) bzw. eine spezialisierte hydrolysierte Milch eingesetzt werden. Letzteres wird derzeit jedoch nur in Fällen einer ausgeprägten familiären Allergiebelastung empfohlen. Weitere mögliche Triggerfaktoren einer frühen Allergieentwicklung sind felltragende Haustiere wie Katzen, Hunde, Hamster etc., die im Haushalt einer allergiebelasteten Familie nicht gehalten werden sollten. Ebenso sollten die Lebensbedingungen für Hausstaubmilben minimiert werden, das heißt keine Staubfänger wie Tierfelle, Plüschtiere, Teppiche, Vorhänge usw. im Kinderzimmer. Empfehlenswert ist auch die Anschaffung von milbenallergenschützenden Überzügen für Matrazen, Kopfkissen und Bettdecken. Einen wichtigen Faktor der Vorbeugung stellt auch das Meiden von Tabakrauch in jeglicher Form dar.
Welche Symptome zeigen Kinder, die an allergischem Schnupfen leiden?
Bei der vorübergehend während der Pollenflugsaison auftretenden Rhinitis klagen viele Kinder über ständigen Juckreiz, Niesen und eine „laufende“ Nase, wobei das Sekret klar ist. Dazu kommen häufig konjunktivale Symptome, also eine Bindehautentzündung mit Juckreiz, vermehrtem Tränenfluss und auch Lichtscheue. Im Gegensatz dazu leiden die Patienten mit einer ganzjährigen Symptomatik meist vorwiegend unter einer behinderten Atmung, also einer „verstopften Nase“. Dies kann auch zu weiteren Auffälligkeiten wie einer chronischen Mundatmung, Schnarchen oder begleitenden Nasennebenhöhlenentzündungen führen. Gemeinsam ist der saisonalen als auch der ganzjährigen Rhinitis das erhöhte Risiko eines zusätzlichen Asthma bronchiale.
Welche Bedeutung kommt der stationären Rehabilitation bei der Behandlung von Kindern mit schwerer Rhinitis zu?
Eine stationäre Rehabilitation unter den Bedingungen des Hochseereizklimas hat den Vorteil einer weitgehenden Allergenarmut insbesondere bezüglich der Pollen. Allein diese Tatsache führt häufig bereits zu einer weitgehenden Beschwerdefreiheit. Gleichzeitig kann im Rahmen einer solchen Betreuung eine ausführliche allergologische Diagnostik mit anschließender medikamentöser Einstellung bzw. Therapievorschlägen erfolgen. Zudem kann hier auch die mögliche Beteiligung des Bronchialsystems im Sinne eines Asthmas abgeklärt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Patientenschulungen und -informationen, die bei einer stationären Rehabilitation durchgeführt werden und insbesondere im Fachklinikum Borkum stets Teil des ganzheitlichen Therapiekonzeptes sind. Wir bedanken uns bei Herrn Dr. Jansen ganz herzlich für das Gespräch.